Nicht gedämmte Häuserwände, Holzfensterrahmen, veraltete Heizungen – Für viele Haushalte in Deutschland ist dies der Alltag. Am Ende des Jahres kommt das böse Erwachen: Die Stromnachzahlung. In puncto CO2-Ausstoß sind diese Häuser wahre Hochleistungsmaschienen. Jährlich wird in Deutschland über 90 Prozent der Heizenergie von Gebäuden verbraucht, die vor 1983 gebaut worden sind. Ein Zustand, der im Zeichen der Energiewende nicht mehr zu tragen ist.

 

Zukünftig wird im städtebaulichen Segment eine Umorientierung stattfinden. Historische Stadtteile müssen saniert und alte Industrie- und Gewerbeflächen umfunktioniert werden. Das allein reicht noch nicht aus. Innovative Versorgungslösungen und moderne Speichertechnologien müssen ebenfalls her. Dazu werden Pilotprojekte in typischen Stadtquartieren gestartet. Verschiedene Technologien und Sanierungsarten werden getestet und anschließend in einem zwei jährigen Messprogramm analysiert und optimiert. Energieeffiziens ist das Schlagwort. Solche Projekte liefern richtungsweisende Erkenntnisse in der Energieversorgung und zeigen optimale Gebäudekonzepte auf.

 

Die Forschungsinitiative EnEff:Stadt des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) hat sich im Münchner Stadtteil Heidenhausen-Au der Lilienstraßen angenommen. Der Wohnpark wurde 1955 erbaut und war stark sanierungsbedürftig. Die Anlage besteht aus vier Gebäuden. Die jeweils drei bis vier stöckigen Häuser haben ein Kellergeschoss und ein nicht ausgebautes Dach. 

 

Wohnpark Lilienstraße EnEff:Stadt MünchenDas angestrebte Ziel des Wohnparks Lilienstraße ist ein Primärenergiebedarf für Beheizung und Trinkwassererwärmung, der mindestens 50 Prozent unter dem zulässigen Wert eines Neubaus liegt. Die nötige Restwärme wird durch alternative Energien gedeckt. Um dieses Ziel umzusetzen, sind die Außenwände mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen worden, das extra niedrige Wärmeleitfähigkeit hat. Neue, energieeffiziente Fensterrahmen und ein dreifaches Wärmeschutzglas sorgen dafür, dass die Wärme in den Räumen bleibt. Die Fußböden wurden mit Vakuumplatten gedämmt. Insgesamt ist die ursprüngliche Gebäudestruktur größtenteils erhalten geblieben. Nur der Grundriss wurde zeitgemäß von kleinen, verschachtelten Räumen auf wenige großzügige Räume reduziert. Durch all diese Faktoren existieren in den Häusern keine Wärmebrücken mehr.

 

Eine oberflächennahe Geothermie erwärmt das Trinkwasser und beheizt die Räume, in denen vorher Kohle- oder Gaseinzelöfen als Heizung standen. Konkret heißt das: Selbst geringe Wärme aus der Umgebung wird mit einer Wärmepumpe für Heizzwecke nutzbar gemacht. Photovoltaik-Module auf den Dächern erzeugen zusätzlich Strom, der in das Stromnetz der Münchner Stadtwerke eingespeist wird. Die modernisierten Gebäude werden nun CO2-neutral mit Energie versorgt. 

 

Insgesamt belaufen sich die Kosten des Projekts geschätzt auf 5,2 Millionenen Euro. 55 Prozent der Wohnungen werden öffentlich gefördert. Der Rest wird frei finanziert. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie unterstützt das Projekt mit 2,6 Millionen Euro.

 

Im Jahr 2011 erhielt der Wohnpark Lilienstraße einen Energieausweis vom Fraunhofer Institut zur Fertigstellung des ersten Bauabschnitts. Angelehnt an den Energieausweis für Wohnhäuser, soll der Ausweis für Wohnanlagen eine bessere Vergleichbarkeit ermöglichen.

 

Derzeit befindet sich die Wohnanlage in der Evaluierung. Im Rahmen eines wissenschaftlichen Messprogramms werden Messwerte erfasst und analysiert, um den Anlagenbetrieb zu optimieren. Die Mess- und Validierungsphase hat im September 2012 begonnen und ist nach zwei Jahren abgeschlossen.

 

Autorin: Elena Leichtfuß

 

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